Namibia ist ein Land der Kontraste. Zwischen den roten Dünen der Namib, den weiten Ebenen des Etosha und den felsigen Ausläufern des Kaokolands leben Tiere, die anderswo längst verschwunden sind. Elefanten, Leoparden, Kudus, Oryx – sie prägen das Bild der Wildnis. Doch nicht alle Besucher kommen mit Kamera und Fernglas. Manche reisen mit Jagdlizenz und klarer Mission: Großwildjagd. Was steckt hinter diesem Begriff? Wer darf jagen, was kostet das, und was passiert mit dem Fleisch? Zeit für einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen.
Was bedeutet Großwildjagd?
Großwildjagd bezeichnet die Jagd auf bestimmte große Wildtierarten. Dazu zählen Elefanten, Löwen, Leoparden, Nashörner, Büffel sowie große Antilopen wie Eland oder Kudu. In Namibia ist diese Form der Jagd legal, aber streng reguliert. Sie findet fast ausschließlich im Rahmen geführter Jagdsafaris statt, die von staatlich geprüften Berufsjägern begleitet werden. Ziel ist nicht nur die Trophäe, sondern auch Wildtiermanagement, Einkommensgenerierung für ländliche Gemeinden und der Erhalt natürlicher Lebensräume.
Gesetzliche Grundlagen: Wer darf was?
Namibia hat eines der fortschrittlichsten Jagdgesetze Afrikas. Die Regeln sind klar und werden konsequent durchgesetzt.
-
Ausländische Jäger benötigen eine spezielle Jagdlizenz, die nur über registrierte Jagdfarmen oder Berufsjäger beantragt werden kann.
-
Jeder Jagdgast muss von einem staatlich geprüften Berufsjäger begleitet werden. Diese Experten kennen die Tierarten, die Quoten und die rechtlichen Rahmenbedingungen.
-
Für jede Tierart gibt es festgelegte Quoten, die jährlich neu vergeben werden. Besonders geschützte Arten wie Elefanten oder Leoparden dürfen nur mit Sondergenehmigung gejagt werden.
-
Die Jagdsaison dauert in der Regel von Februar bis November. In der Regenzeit ruht die Jagd.
-
Für den Export von Trophäen geschützter Arten ist eine CITES-Genehmigung erforderlich. Auch das Heimatland des Jägers muss die Einfuhr genehmigen.
Wer in Namibia jagen will, muss sich an ein komplexes Regelwerk halten. Das schützt nicht nur die Tiere, sondern auch das Image des Landes als nachhaltige Jagddestination.
Jagdethik: Kein Schuss aus dem Auto
Ein zentraler Bestandteil der Jagdpraxis in Namibia ist die sogenannte Pirschjagd. Das bedeutet: Es wird nicht vom Fahrzeug aus geschossen. Stattdessen pirschen sich Jäger und Berufsjäger zu Fuß an das Tier heran. Dabei gelten klare Abstandsregeln. Der Schuss darf nur aus einer bestimmten Nähe abgegeben werden, um dem Tier eine faire Chance zu geben und einen sauberen, schnellen Tod zu gewährleisten. Diese Praxis ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern Ausdruck von Respekt gegenüber dem Wild. Wer nicht bereit ist, sich körperlich anzustrengen und die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, hat auf einer Jagdsafari in Namibia nichts verloren.
Was kostet eine Großwildjagd?
Die Preise variieren stark – je nach Tierart, Dauer der Safari, Unterkunft und Exklusivität. Hier ein grober Überblick:
|
Tierart |
Durchschnittlicher Preis (inkl. Jagdgebühr) |
|---|---|
|
Kudu |
1.500 bis 2.500 Euro |
|
Oryx (Gemsbok) |
800 bis 1.200 Euro |
|
Eland |
2.500 bis 4.000 Euro |
|
Leopard |
8.000 bis 15.000 Euro |
|
Elefant |
25.000 bis 50.000 Euro |
|
Löwe |
20.000 bis 40.000 Euro |
Hinzu kommen Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Transfers, Waffenverleih, Jagdführer und die Präparation der Trophäen. Eine einwöchige Jagdsafari kann also zwischen 5.000 und 60.000 Euro kosten – je nachdem, welches Wild gejagt wird.
Trophäen und Fleisch: Was passiert nach dem Schuss?
Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass bei der Trophäenjagd nur das Geweih oder der Schädel zählt und der Rest verkommt. In Namibia ist das Gegenteil der Fall.
Die Trophäen dürfen vom Jäger mitgenommen werden, sofern alle Genehmigungen vorliegen und die Präparation fachgerecht erfolgt. Das dauert oft mehrere Wochen, denn die Ausfuhr ist streng kontrolliert und unterliegt internationalen Artenschutzabkommen.
Das Fleisch bleibt im Land und wird vollständig verwertet. Es geht entweder an die Jagdfarm, wird verkauft oder an umliegende Dörfer verteilt. Besonders bei Großwild wie Elefanten ist das von enormer Bedeutung. Ein einziger Elefant liefert hunderte Kilogramm Fleisch – genug, um ganze Dorfgemeinschaften über Wochen zu versorgen. Für viele Menschen in abgelegenen Regionen ist das eine seltene und wertvolle Proteinquelle. Nichts wird verschwendet. Auch Haut, Knochen und andere Teile finden Verwendung, etwa für Lederprodukte, Schmuck oder handwerkliche Zwecke.
In Namibia gilt: Jedes Tier, das legal gejagt wird, wird vollständig genutzt. Das ist nicht nur ethisch sinnvoll, sondern auch Teil der staatlichen Vorgaben für nachhaltige Jagd.
Warum erlaubt man die Jagd überhaupt?
Die legale Großwildjagd ist in Namibia kein Relikt aus Kolonialzeiten, sondern Teil eines durchdachten Konzepts: Community-Based Natural Resource Management (CBNRM). Dahinter steckt die Idee, dass Wildtiere nur dann überleben, wenn sie für die Menschen vor Ort einen Wert haben.
-
Ländliche Gemeinden erhalten Jagdquoten und vergeben Lizenzen an Berufsjäger. Die Einnahmen fließen in Schulen, Brunnen, Straßen und Gesundheitsversorgung.
-
Wenn ein Elefant 30.000 Euro bringt, wird er nicht gewildert, sondern geschützt.
-
Jagd hilft, Bestände zu regulieren, genetische Vielfalt zu erhalten und Lebensräume zu pflegen.
-
Jagdtourismus ist ein lukrativer Nischenmarkt, der Arbeitsplätze schafft und Alternativen zum Viehbetrieb bietet.
Besonders bemerkenswert: Ein Jagdtourist lässt im Schnitt etwa das Zehnfache dessen im Land, was ein regulärer Tourist ausgibt. Während klassische Reisende oft in Mietwagen und Lodges investieren, fließen beim Jagdtourismus erhebliche Summen direkt an lokale Guides, Farmen, Präparatoren und Gemeinden. Das macht die Jagd zu einem der effektivsten Instrumente, um Naturschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung zu verbinden.
Kritik und Kontroversen
Natürlich ist die Großwildjagd emotional aufgeladen. Tierschützer argumentieren, dass kein Tier für eine Trophäe sterben sollte. Doch die Realität ist komplexer. In vielen Fällen trägt die Jagd mehr zum Schutz der Arten bei als der reine Fototourismus – zumindest in Namibia, wo die Regeln streng sind und die Einnahmen direkt vor Ort ankommen.
Zwischen Jagd und Verantwortung
Die Großwildjagd in Namibia ist kein Freifahrtschein für Trophäensammler, sondern ein streng reguliertes Instrument des Naturschutzes. Sie bringt Geld in entlegene Regionen, schafft Anreize für den Erhalt von Wildtieren und sorgt dafür, dass Savannen nicht zu Weideflächen verkommen. Wer jagen will, muss zahlen, sich an Regeln halten und bereit sein, sich dem Tier auf Augenhöhe zu nähern. Und wer das nicht will, kann sich trotzdem freuen – denn auch der Fototourist profitiert von den Schutzgebieten, die durch Jagdeinnahmen erhalten bleiben.